Das Design unserer MobilitätStationen

Interview mit André Stocker, Industriedesigner und Partner der CMD

Portrait André Stocker

Die große Aufgabe der Mobilitätswende schaffen wir nur gemeinsam. Das gilt natürlich auch für die Planung und Errichtung unserer MobilitätStationen. Deshalb sind wir immer auf der Suche nach Partnern, die neue Impulse setzen, das gleiche Ziel verfolgen und besondere Expertise mitbringen. Eines dieser Unternehmen ist ›andré stocker design‹ aus Dreieich bei Frankfurt. Zu den Auftraggebern des Designstudios gehören nationale wie internationale Unternehmen aus dem Konsum- und Investitionsgüterbereich aber auch Städte und Kommunen. Seit der Gründung vor rund 20 Jahren konnte das Unternehmen bereits zahlreiche Preise für die unterschiedlichsten Produktdesigns – von Küchenaccessoires bis hin zu 3D-Druckern – gewinnen und zählt zu den TOP50 Designstudios im iF World Design Index. Innovative und nachhaltige Produktentwicklung gepaart mit maximaler Funktionalität ist der hohe Designanspruch von Gründer und Geschäftsführer André Stocker, der uns im heutigen Interview seine Perspektive auf das Thema Mobilitätswende in Düsseldorf erläutert.



CMD: Herr Stocker, wie fühlt es sich an mit der CMD an der Mobilitätswende zu arbeiten?

André Stocker: Partner der CMD zu sein ist auch für uns etwas ganz Besonderes. Denn unser Auftrag ist kein reines Produktdesign, sondern vielmehr eine Mischung aus Architektur, Design und Stadtplanung. Wir müssen ja nicht nur auf die Nutzer*innen Rücksicht nehmen, sondern auch auf die restliche Bevölkerung, die im öffentlichen Stadtbild mit unseren Designs konfrontiert werden. Und das immer ob sie es wollen oder nicht! Das ist mit einer Thermoskanne nicht zu vergleichen, die viel kleiner ist, nur eine Zielgruppe ansprechen soll und als Massenprodukt in ein paar Jahren von einem Nachfolgermodell abgelöst wird. Nein, hier muss Perfektion von Beginn an das Credo allen Handelns sein.

Unser Design muss extrem langlebig sein, ganz unterschiedlichen Ansprüchen genügen und im besten Fall auch denen gefallen, die es überhaupt nicht nutzen. Zeitlos und einzigartig auf der einen Seite, auffällig unauffällig auf der anderen Seite.

Das ist schon Champions League, was die CMD uns hier vorgegeben hat.


Pläne und Skizzen des Designers

CMD: Können Sie das anhand eines Beispiels verdeutlichen?

André Stocker: Am Beispiel Stadttor kann man sehr gut veranschaulichen, wie wir uns dem Thema nähern. In der Planung waren die optimale Funktionalität und die Langlebigkeit unsere Pflicht. Hinzu kam aber die Kür, die besonders der CMD immer äußerst wichtig war. Zum Beispiel sollten wir Module entwerfen, welche im Sommer die Erwärmung der Umgebung reduzieren. So kam die Idee der begrünten Dächer, die völlig andere Eigenschaften mitbringen als Metall- oder Betondächer. Darüber hinaus sollte sich alles möglichst harmonisch in die Umgebung integrieren und nur wenig auffallen. Im Ergebnis haben wir die Fahrradabstellanlagen mit Lochblechen gestaltet und deutlich niedriger konzipiert als in anderen Städten, so dass sie aus der Entfernung maximal transparent und nicht wie Gebäude wirken. Zudem wurde der Naturstoff Holz verwendet.

Die MobilitätStationen sollen den Raum nicht verändern, sondern sich harmonisch einfügen und langfristig attraktiv bleiben.

Dazu zählt auch, dass sie vor Vandalismus geschützt werden. Das schaffen wir vor allem durch nachhaltige Materialien und tadellosem Design. Denn umso hochwertiger etwas gestaltet ist, desto höher ist die Schwelle zur Zerstörung.



CMD: Sie sprechen andere Städte an. Was wird denn in Düsseldorf anders gemacht?

André Stocker: Wir haben für andere Städte wie Offenburg und Kiel ähnliche Angebote konzipiert, aber nicht in der umfangreichen Komplexität wie hier in Düsseldorf. Der Katalog der CMD ist da viel größer und bietet einiges Neues an. Es ist ja auch so, dass in Düsseldorf der Name MobilitätStation nur dann verwendet werden darf, wenn bestimmte Mindestanforderungen erfüllt werden. Insgesamt konnten wir massiv von anderen Städten profitieren, da wir aus den Herausforderungen der Vergangenheit lernen konnten. Das betrifft sowohl die Materialien, die Abmessungen einzelner Module oder deren Zusammenspiel mit dem öffentlichen Raum.

Vor allem aber die Einbindung der Anwohner*innen und Bürger*innen in die Konzeptphase ist hier wirklich gelungen. Natürlich sind Anwohner*innen erstmal irritiert, wenn unvermittelt Parkplätze vor der Tür entfernt werden.

Sobald aber klar ist, dass aus zwei Autoparkplätzen plötzlich vier Lastenrad-Parkplätze mit Grünflächen entstehen und die Verkehrsberuhigung zum Beispiel Schulwege sicherer macht, sieht die Situation schnell anders aus.

Die CMD ist hier wesentlich kommunikativer und hört den Bürger*innen aus meiner Sicht sehr gut zu. Vieles von dem, was in den Bürger*innen-Dialogen erwähnt wurde, ist bereits in unsere Designs eingeflossen. Zum Beispiel das wichtige Thema Aufenthaltsqualität.

Die CMD geht schon sehr tief in die Materie und widmet sich dem Thema wahrhaft ganzheitlich. Es ist wirklich klasse, dass man in Düsseldorf ein eigenes Unternehmen auf die Beine gestellt hat, dass sich voll und ganz darauf fokussiert. Die Mobilitätswende steht hier nicht täglich in Konkurrenz zu anderen wichtigen Entscheidungen eines Amtes. Dennoch ist die CMD sehr gut mit dem Amt für Verkehrsmanagement vernetzt und stimmt wichtige Themen eng ab, gerade was das Thema öffentliche Gestaltung angeht. Hier ist die Kompetenz gebündelt und ein Team an Expert*innen widmet sich dem Thema mit voller Energie. Denn aus meiner Erfahrung entscheiden am Ende immer die Details über den Erfolg oder Misserfolg eines Produktes. Aber solch eine Detailverliebtheit und die permanente Evaluation und Verprobung mit der Zielgruppe kostet natürlich Zeit, die gerade in öffentlichen Einrichtungen absoluter Luxus ist. Düsseldorf erlaubt sich diesen Luxus und das wird sich auch auszahlen.


Rendering modulares System der Stationen
CMD: Was hat sich in den vergangenen Jahren aus Ihrer Sicht verändert, wenn es um das Thema Produktdesign und Mobilität geht?

André Stocker: Die Digitalisierung macht sicher den größten Unterschied. Das sogenannte User Interface ist heutzutage ein wesentlicher Bestandteil jedes Designs. Alles muss smart und gleichzeitig barrierefrei sein, aber auch Spaß machen und gut aussehen! Das ist schon ein großes Pflichtenheft. Aber Düsseldorf und die CMD kommen genau zur rechten Zeit. Die Notwendigkeit einer Mobilitätswende ist in vielen Köpfen schon angekommen, auch die private Mobilität hat sich in den letzten Jahren schon recht deutlich verändert. Shared Mobility ist viel stärker verbreitet als noch vor wenigen Jahren. Auch E-Fahrräder und E-Scooter werden von vielen Menschen gerne genutzt. Die Digitalisierung und beispielsweise App-Nutzung ist schon bekannt. Jetzt ist es Aufgabe der Städte ein wenig Ordnung in das Thema zu bringen und die vielen unterschiedlichen Angebote sinnvoll zu bündeln. Wenn wir in einigen Jahren weniger Autos in den Städten haben möchten, müssen wir moderne Angebote und den nötigen Rahmen schaffen. Denn E-Autos reduzieren zwar die CO2-Emissionen, aber nicht zwangsläufig den Verkehr.

Es müssen also Anreize geschaffen werden, die den Bürger*innen klar machen: aufs Auto verzichten macht Sinn, geht schnell, ist günstig und vor allem einfach.

CMD: Die CMD plant dieses Jahr sieben weitere Mobilitätsstationen. Welche wird Ihrer Meinung nach die interessanteste?

André Stocker: Ich freue mich auf die beiden Stationen am Bachplätzchen und am Friedensplätzchen, denn hier wird die Integration in richtig lebendige Orte noch viel deutlicher. Das ist auch einer der Gründe, warum dort die Bürger‘*innen-Dialoge schon so rege geführt werden. Zudem werden an diesen Stationen einige Module verbaut, die es am Stadttor noch nicht gibt, beispielsweise die Doppelstockfahrradabstellanlage. Die Stationen werden uns daher wieder viele neue Erkenntnisse und Erfahrungen liefern, die wir gemeinsam mit der CMD in die nächsten Konzepte einarbeiten werden.

Denn uns ist ganz klar, dass wir unsere Designs im Sinne aller Bürger*innen ständig hinterfragen und permanent optimieren müssen. Das sind wir uns und allen Düsseldorfer*innen schuldig und nehmen den Auftrag für eine saubere und nachhaltige Zukunft sehr ernst.


CMD: Vielen Dank für diese spannenden Einblicke!