Mobilitätswende: Interview mit Bezirksbürgermeister Dietmar Wolf


Allee in Düsseldorf

Dietmar Wolf ist Bezirksbürgermeister der Bezirksvertretung 3, dem Stadtbezirksparlament für Hafen, Hamm, Flehe, Volmerswerth, Unterbilk, Bilk, Friedrichstadt und Oberbilk. Fünf Fahrzeuge hat er aktuell in der Garage stehen: »Drei Fahrräder, ein Faltboot und eine alte Ente. Die Ente ist eigentlich nur ein Hobby und hat sich schon seit Monaten nicht mehr bewegt. Ich müsste sie dringend mal reparieren.« Privat aber auch zur Arbeitsstätte in Ratingen nutzt Wolf nahezu ausschließlich das Fahrrad oder den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Und auch vor längeren Touren scheut Wolf nicht zurück. »Zum letzten Ententreffen bin ich völlig untypisch für den Anlass mit Zug und Fahrrad angereist«, erläutert der Grünen-Politiker. Im heutigen Interview erklärt er uns seine Perspektive auf die Mobilitätswende in Düsseldorf.



Portrait Dietmar Wolf


CMD: Sie unterstützen die Mobilitätswende in Düsseldorf. Warum?

Dietmar Wolf: Es ist höchste Zeit, dass etwas passiert. Man muss sich doch nur mal die Staubilanz der vergangenen Jahre ansehen und die damit verbunden hohen Stickoxidwerte der Düsseldorfer Luft. 2019 verursachte der Verkehr fast 43 Prozent der Emissionen. Hauptverursacher war der motorisierte Straßenverkehr. Besonders in Ballungsräumen ist die Luft einfach zu stark belastet. Wir müssen den CO2-Ausstoß deutlich verringern, nicht nur damit unsere Luft besser wird, sondern für den Klimaschutz insgesamt. Aber es geht auch darum, die enorme Belastung der besonders dicht besiedelten Teile Düsseldorfs durch parkende Kraftfahrzeuge zu reduzieren. Beispielsweise in der Friedrichstadt und in den Gründerzeitvierteln.

Mit den Flächen könnte man etwas ganz anderes anfangen, beispielsweise lebenswertere Quartiere gestalten.


CMD: Sind verkehrsregulierende Maßnahmen hier die einzige Option?

Dietmar Wolf: Nein, überhaupt nicht, aber die Bundesregierung und die Europäische Union haben sich bei der Festsetzung von Emissionsvorgaben für Motoren bisher einen schlanken Fuß gemacht, nur sehr wenig festgesetzt und die Verantwortung für die Einhaltung von Luftreinhalteplänen auf die kleinste Einheit, die Kommunen abgewälzt. Hier wird jetzt intensiv an neuen Verkehrskonzepten gearbeitet. Unter anderem geht es um die Ausweitung der ÖPNV-Angebote, die deutliche Vergrößerung und Verbesserung der Fahrrad-Infrastruktur und auch der Implementierung von sogenannten shared mobility-Angeboten. Um eins klarzustellen, ich möchte Autos nicht verbieten, ich habe selber eins.

Ich möchte aber, dass es einen anderen Umgang damit gibt und der kurze Weg zum Bäcker eben nicht mit dem Auto gefahren wird. Ich möchte Bürger*innen mit neuen und guten Angeboten dafür gewinnen, dass sie innerstädtisch anders als mit dem Auto mobil sein möchten.


CMD: Dafür ist die Mobilitätswende notwendig?

Dietmar Wolf: Bürger*innen können nur mit guten Angeboten gewonnen werden. Die Radinfrastruktur in Düsseldorf wird langsam aber sicher ausgebaut. Radhauptwege, Radschnellwege und Fahrradparken müssen weiterentwickelt und schneller umgesetzt werden. Der ÖPNV muss, was Qualität und Taktung betrifft, deutlich ausgebaut werden. Wir brauchen Busse und Bahnen, die alle paar Minuten fahren, auch in die Randbereiche Düsseldorfs nach Hellerhof, Urdenbach, Angermund, Hubbelrath oder Wittlaer. Die CMD kommt mit ihren Planungen der MobilitätStationen gerade recht. Dadurch wird die Attraktivität der individuellen innerstädtischen Mobilität deutlich erhöht. Und auch die Angebotsvielfalt an den einzelnen Stationen finde ich bemerkenswert.


Übersichtskarte MobilitätStationen Düsseldorf

CMD: Sieben der bisher geplanten acht MobilitätStationen entstehen im Stadtbezirk 3. Warum eigentlich?

Dietmar Wolf: Der Stadtbezirk 3 gehört mit den Stadtteilen Oberbilk, Unterbilk, Bilk und Friedrichstadt zu den am dichtesten besiedelten Stadtteilen Düsseldorfs. Die Friedrichstadt hat mehr als 20.000 Menschen auf einem Quadratkilometer Grundfläche und zählt damit sogar zu den drei am dichtesten besiedelten Stadtteilen Deutschlands. Stellen Sie sich vor, statt nerviger Parkplatzsuche das schnelle Abstellen eines Fahrrads, Lastenrads oder E-Fahrzeugs. Und dann die letzten Meter zu Fuß nach Hause oder ins Café. Es soll ja nicht bei den bisher acht Stationen in Düsseldorf bleiben. Alleine für unseren Stadtbezirk 3 sind 20 Stück geplant. Wenn das erreicht ist, braucht man für die Mobilität in der Stadt kein eigenes Auto mehr. Das ist nicht nur umweltfreundlich und schnell, sondern auch kostengünstig, denn Pkw sind nun mal sehr teuer. Die freigewordene Fläche im öffentlichen Raum kann zudem neugestaltet und die Lebensqualität der Menschen im Quartier gesteigert werden.

Ich rechne damit, dass das Konzept der CMD in spätestens zehn Jahren nicht nur in der Innenstadt, sondern in ganz Düsseldorf flächendeckend funktioniert. Spätestens dann greifen alle MobilitätStationen und der ÖPNV wie die Rädchen eines Uhrwerks ineinander.

CMD: Vielen Dank für diese spannenden Einblicke!